Holländische Tradition

Julius Cäsar schrieb schon im Jahre 57 vor Beginn der Zeitrechnung über holländische Bauern: "Sie betreiben keine Ackerwirtschaft. Sie trinken Milch und essen Käse und Fleisch."
Archäologen vermuten, dass die Käsegeschichte noch viel weiter zurück geht. Das belegen die hier abgebildeten Käseformen. Sie sind etwa 6000 Jahre alt.

Kaaskoppen

"Käseköpfe" hießen die Käseformen im Mittelalter. Sie waren aus Weidenholz und wurden komplett aus einem Stück gefertigt. Man erzählt die Geschichte, dass Ende 1400 holländische Bauern mit dem Landadel wegen zu hoher Steuern stritten. Die Käseformen sollen sie dabei im Kampf als Kopfschutz getragen haben.
Fragt man heute einen Belgier, wie er einen Holländer beschimpft, antwortet er bestimmt: "nederlandse kaaskop".

Mittelalterliche Labormethoden

Um festzustellen, ob das Salzbad für den Käse einen ausreichenden Salzgehalt aufweist, verwendete die Bäuerin im Mittelalter ein Ei. Wenn das Ei schwamm und etwa 2 cm aus dem Salzbad herausragte, war der Salzgehalt in Ordnung. Sank das Ei jedoch, musste Salz hinzugefügt werden, was damals sehr teuer war.

Wringen

"Ich muss jetzt unbedingt gehen, ich muss noch wringen.", hörte man die Bäuerin im 19. Jahrhundert öfter sagen. Sie meinte damit, dass sie noch die Abendmilch zu Käse verarbeiten musste.
In dieser Zeit wurde die dickgelegte Milch von Hand geknetet, um die überflüssige Molke zu entfernen und zum Käsebruch zu zerkleinern.

Käsesteine

Käsesteine waren früher ein wichtiges Zubehör zum Pressen. Mit einem Stein als Gewicht wurde der Käsebruch in den Formen zusammengepresst. Später hat man verschiedene Presstafeln mit Gewichten und Hebeln entwickelt.
Ein besonders schönes Exemplar ist auf dem Foto abgebildet.

Tradition, Stolz und Ansehen

Die Käseherstellung ist eine Kunst. Sie wurde über Generationen von den Müttern an ihre Töchter weitergegeben. Neben dem Fachwissen spielten dabei auch Tradition, Stolz und Ansehen eine große Rolle.
Das eigenhändig hergestellte Produkt war gut für die Selbstachtung.
Die Bäuerinnen waren stolz auf ihren Käse. Besuchten sie sich zum Tee, wurde öfter Käse mitgebracht und ver- kostet. Eine Bäuerin, die keinen oder keinen guten Käse machte, genoss kein gutes Ansehen.